musica aperta_03

18. Saison 2016 / 2017 
Reservation: 076 518 59 29, Eintritt Fr. 30.- / 20.-    www.musica-aperta.ch

 

Mittwoch,  17. Mai 2017, 19:30 Uhr
Villa Wenkenhof, Bettingerstr. 121, Riehen BL
 
Bus 34 bis Riehen Bahnübergang, dann Bus 32 // oder Tram 6 bis Bettingerstr., dann Bus 32

Donnerstag  18. Mai 2017, 20 Uhr
Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur 
 

Quartetto Prometeo (Florenz)
Giulio Rovighi, Violine; Aldo Campagnari, Violine;
Massimo Piva, Viola; Francesco Dillon, Violoncello

musica aperta 18. Mai Prometeo_800

György Ligeti (1923-2006)

Quartett No.2 (1968)

Francesco Filidei (1973)

Notturno sulle corde vuote (UA für akustisches Quartett)

Sandro Balzarini (1987)

Mr. Ishii and I (2017) (Uraufführung, Auftrag musica aperta)

Stefano Gervasoni (1962)

Six lettres à l'obscurité (und zwei Nachrichten) (2005-06)

 Der Kompositionsauftrag an Sandro Balzarini wurde realisiert im Rahmen
der Nachwuchsförderung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

György Ligeti ist bereits ein Klassiker der neuen Musik. Das 2. Streichquartett ist eine Auseinandersetzung mit grossen Vorbildern – Ligeti selbst nennt etwa Beethoven, Mozart, Bartók und Bergs Lyrische Suite (in der Tat erinnern die fünf Sätze an Bartók, die Satzbezeichnungen an Berg), ohne dass man Zitate oder gar Kopien erwarten dürfte. Es ist zugleich eines der Hauptwerke der neueren Quartettliteratur. Gemäss Ligeti sind die Sätze «unterirdisch miteinander verbunden, es gibt geheime Korrespondenzen, fast Reime, ... alle fünf Sätze sind sozusagen gleichzeitig anwesend». So kommt auch in diesem sehr auf Variation der Klangfarben und Bewegungsmuster ausgerichteten Stück das Prinzip der Metamorphose zum Zuge.

Das „Notturno“ von Francesco Filidei wird tatsächlich, wie es der Titel sagt, nur auf den leeren Saiten gespielt wird: das Instrument spricht, ohne dass es berührt wird. Es entsteht die Magie, dass das Instrument ein eigenes, unabhängiges Leben führe. Ursprünglich war das Werk mit Elektronik konzipiert, wobei diese aber nicht äussere Klangquellen hinzufügte, sondern nur die Streicherklänge quasi ins Instrument zurück- spielte, so dass quasi zwei Streichquartette erklingen. So liegt es nahe, eine Version ohne Elektronik zu realisieren, die hier nun zur Uraufführung gelangt.

Sandro Balzarini benennt in „Mr. Ishii and I“ einen japanischen Kriegsverbrecher, unter dessen Kommando Zivilisten auf grausamste Weise malträtiert und umgebracht wurden. Balzarini fragt nach dem Unterschied zwischen sich und Mr. Ishii , indem er seine eigene Schuld reflektiert, bezugnehmend auf den Bibelvers „Herr, wenn Du willst, so kannst du mich reinigen!“ Balzarini schreibt: "In einem verzweifelten Kampf, mich als Mensch von der Bosheit meines Herzens zu befreien, blieben mir von obigem Bibelvers lediglich die letzten vier Worte als Grundlage für dieses Streichquartett und als Frage an Jesus, die ihm Mr. Ishii wohl auch gegen Ende seines Lebens gestellt haben mag.“

"Six lettres à l'obscurité (und zwei Nachrichten)" von Stefano Gervasoni, der u.a. bei G. Ligeti studiert hat, ist sein zweites Streichquartett. Das einsätzige Werk ist in acht Abschnitte eingeteilt, sechs Hauptabschnitte, die je über einen Buchsta-ben des Alphabets komponiert sind, sowie in zwei Momente als lyrischen Halt, zwei "Lieder ohne Worte", welche die Reihe der Stücke auf einen Buchstaben in drei Paare gliedern. Es geht um Licht und Dunkel. Das Werk versucht eine Untersuchung des Unexpressiven in der Musik. Denn die Expressivität ist in der Tiefe eingeschrieben, in den Falten von Licht und Schatten des Tones, und das Schreiben verbirgt sie eher als dass es sie enthüllt.

Das Quartteto Prometeo weist eine beeindruckende Liste von Festivals und Konzertsälen auf, vom Amsterdamer Concertgebouw bis zum Prager Frühling, von der Accademia di Santa Cecilia in Rom bis zum Grand Théatre Bordeaux, von der Mozartnacht Würzburg bis zum Colmar Festival. Seit fast 20 Jahren wird es mit internationalen Preisen überhäuft, und zwar für zeitgenössische wie für klassische Musik. Denn charakteristisch ist für dieses Quartett die permanente Interaktion beider Bereiche. So hat es alle Streichquartette von Robert Schumann aufgenommen, aber auch eine CD mit Werken von Salvatore Sciarrino. Es pflegt enge Kontakte zur italienischen Szene und fördert junge Komponisten.                                               http://www.quartettoprometeo.com

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Mittwoch 28. Juni 2017, 20 Uhr,
Alter Stadthaussaal, Marktgasse 53, Winterthur

canti di vita e d'amore
Kornelia Bruggmann -
Stimme, Kontrabass, Schellenbaum, Bassflöte, Gong

2017-03-03 Kornelia Bruggmann_800

 

Blaise Ubaldini (1979)

Bhiksha I & II (Hindu: Almosen) (2016) ) Uraufführung
 
Der Kompositionsauftrag wurde realisiert im Rahmen der Nachwuchsförderung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

Giacinto Scelsi (1905-1988)

canti del capricorno XXI (1962-72) für Stimme, Gong, Kontrabass, Schellenbaum, Bassflöte

Luciano Berio (1925-2003)

sequenza 3 (1966) per voce femminile

Luigi Nono (1924-1990)

djamila boupachà Sopransolo 2.Satz aus "canti di vita e d'amore"(1962)

Gerald Bennett (1942)

columba nitens (2010) pour soprano et bande magnétique

Giacinto Scelsi (1905-1988)

pater noster (1970)

Rainer Boesch (1938-2014)
  & Alain Savouret (1942)

dechiffrage à l'ouïe (1960-70) für Tonband und Sängerin

Blaise Ubaldini (1979)

Bhiksha III & IV

Giacinto Scelsi (1905-1988)

canti del capricorno V

Martin Schlumpf (1947)

ritual für k. (2015)

Jacques Demierre (1954)

bleu (1986) pour voix seule

Joëlle Léandre (1951)

hello taxi (1983) für sprechende Bassistin, gespielt von streichender Sängerin

sequenza 3: echo: sie singt sie wie eine mozart-arie. leicht, leichtfüssig, präzise. geht sie ? kommt sie wieder? text des zahnarztfreundes von luciano berio: 9 frei zusammensetzbare satzteile: "gib  mir /  einige worte / für ein weib / zu singen / eine wahrheit / die uns erlaubt / ein haus zu bauen / von einer welt / ohne kummer / ehe es nacht wird"
pater noster: das gebet als " perpetuum nobile ". 
ritual für K: der jodel zieht in die weite, verbindet alte welten, ältestes brauchtum mit heute. ich rufe. ich klage. ich sehne mich. austausch.  bruchstücke.
bleu: ein lachblues in "a". ein blues. a blues. ein lachblues in "a"... erinnern sie sich an kaspar fischer's lachblues? eigentlich möchte die sängerin schon längstens die bühne verlassen haben…..was tut sie da ? ist sie zur richtigen zeit am richtigen ort? fragen.]
taxi:
what the hell is that ? und wie komm ich damit in  ein taxi ? wie komm ich weg hier?  
                                                                 [Kornelia Bruggmann]

Gerald Bennett: Columba Nitens wurde von einer Oster-Sequenz aus dem 12. Jahrhundert von Peter Abaelard, «Epithalamica», inspiriert. Der Text ist von Héloïse d'Argenteuil, der Frau von Abaelard. Jede Phrase beginnt mit «Vale…» (Adieu) und benutzt eine Variante der Melodie der «Epithalamica». Und so ist aus einem Hochzeitslied (dies die Bedeutung von «Epithalamica») ein Abschiedslied entstanden. Der Titel: «Columba Nitens» («schneeweisse Taube») bezeichnet die Braut im Hohen Lied.

Blaise Ubaldini: Bhiksha - Ist das eine Sprache? Ist das ein Gesang? Ist das ein Gedicht oder ein Gebet ? Die Struktur des viersätzigen Werkes stützt sich zum einen auf das Alphabet der Töne der Hindi-Sprache, überliefert durch die ersten Grammatiker Indiens, zum anderen auf ein Lied in bengalischer Sprache der grossen indischen Autors Rabindranath Tagore: Amar Poran Loye. Es geht um vier Zustände der Seele, vier kleine vokale Abenteuer, manchmal innerlich, manchmal äusserlich, immer an der Grenze des Gesangs und des Tanzes.

Kornelia Bruggmann kennt keine stilistischen und historischen Grenzen, von nordischen Balladen aus dem frühen Mittelalter bis zu neusten Kompositionen, von Jazz bis Oper, von Liebeslied zu politischer Protestmusik. Aber das hat nichts mit Beliebigkeit zu tun, vielmehr gibt sie der Musik immer ihr persönliches Gepräge und vor allem eine ungeheure Intensität und Präsenz, der man sich nicht entziehen kann. Sie ist die einzige Sängerin, die in Scelsis "Canti" alle Instrumente selber spielt, wie in unserem Programm zu hören. Und diese 20 Gesänge sind für Kornelia Bruggmann eine Art Lebensbegleiter, in immer neuen Konstellationen interpretiert.
                 
http://www.korneliabruggmann.ch

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