musica aperta_03

18. Saison 2016 / 2017 
Reservation: 076 518 59 29, Eintritt Fr. 30.- / 20.-    www.musica-aperta.ch

 

Villa Sträuli, Museumsstrasse 60, Winterthur 
Donnerstag  23. März 2017, 19 / 20 Uhr

Taufe Doppel-CD "Wider-Wege" - Max E. Keller zum 70.

2017-03-23 CD-Taufe_800

UMS 'n JIP: Ulrike Mayer-Spohn (Blockflöten) und Javier Hagen (Stimme)
http://umsnjip.ch/70jahremaxekeller.htm

19 Uhr Tonbandstücke

Sicher sein... (1976) für Sprecher und Tonband
Grundgesetze III (1977) für 2 Sprecher und Tonband
Sie (1978) für Tonband

 

20 Uhr Live-Konzert

Der verspätete Wanderer (2017) für Sänger und Blockflöten, Uraufführung
Mobile (2012/3) für variable Besetzung
Ruh'
(2012) für Countertenor und Blockflöten (Text: Max E. Keller)
1968 - und heute? (2011) für Sänger und Blockflöten (Text: Max E. Keller)
Veränderungen (1978) für Blockflöte und Synthesizer
Hymnen
(1979) für Tonband und Sprecher

 

Apéro

weitere Konzerte:
26.3.2017 - 19/20 Uhr, Zeughaus Kultur, Gliserallee 91, Brig-Glis
27.3.2017 - 19/20 Uhr, ONO, Kramgasse 6, Bern
30.3.2017 - 19/20 Uhr, Ackermannshof, St. Johanns-Vorstadt 19-21, Basel
03.4.2017 - 19/20 Uhr, Kunstraum Walcheturm, Kanonengasse 20, Zürich

Max E. Keller - eines der Urgesteine der Neuen Musik und des Free Jazz in der Schweiz - feiert 2017 seinen 70. Geburtstag. Seine Musik ist sinnlich, direkt und polarisiert seit ihren Anfängen durch ihre politischen Statements: der legendäre Skandal, den Keller und andere in den 70ern an den Darmstädter Ferienkursen auslösten, bleibt bis heute unvergessen. UMS 'n JIP spielen zu seinem Jubiläum einerseits die Werke, welche Keller für das Duo geschrieben hat, andererseits holen sie mehrere seiner prägenden politischen Werke aus den 70ern hervor, welche bis heute nichts an Frische und Aktualität verloren haben. Das Jubiläumsprogramm besteht aus mehreren Teilen: Einem Vorkonzert mit Tonbandstücken um 19 Uhr, das live gespielte Hauptkonzert um 20 Uhr, eine Ausstellung mit grafischen Partituren und die Taufe der neu erschienenen Doppel-CD:

max.e.keller: wider-wege; streiffzug SC 1604     http://www.streiffzug.com/de/keller       http://www.max-e-keller.ch

Der verspätete Wanderer: Der Anfangsvers, der fröhlich beschwingt klingt, wird am Ende des Sonetts wiederholt, diesmal aber sorgenvoll, ja gar "erschrocken": "Wo werde ich wohl sein im künft'gen Lenze?"
Mobile erinnert an meine Anfänge, als ich allmählich vom Improvisieren zum Komponieren kam: jedes Instrument spielt in freier Reihenfolge die ihm zusagenden Elemente aus einem Repertoire von 25 Elementen.
Ruh' beruht, wie viele meiner Kompositionen, auf einem einfachen, leicht nachvollziehbaren Modell: nach einem Ausbruch in unruhigere Gefilde finden Stimme und Instrument immer wieder Ruhe auf einem leisen Unisono. Fast wie im richtigen Leben.
1968 - und heute? Das damalige Ideal eines im umfassenden Sinne freien, selbstbestimmten und doch solidarischen Lebens ist einer neuen Angepasstheit und Behäbigkeit, einer bürokratisch geregelten Gesellschaft gewichen. Die Klangwelt reflektiert die Sponta-neität, Phantasie und Unbekümmertheit der 68er-Jahre, ohne in oberflächliche Verdopplung des Textes zu verfallen, der u.a. Vietnamkrieg und Schah-Besuch Berlin anspricht.
Veränderungen ist ein frühes live-elektronisches Werk, mit einem der ersten Synthesizer, die man sich leisten konnte (statt ein Kleinauto zu kaufen). In meinen Notizen lese ich - ganz im Geiste der damaligen Zeit: "Instrument ist Mittel, die Natur zu beherrschen. Doch die Naturbeherrschung wird im Kapitalismus durch die Produktionsverhältnisse zur Beherrschung des Menschen durch die Verhältnisse."
Hymnen konfrontiert den authentischen Bericht eines Chilenen über seine Erlebnisse bei den Folterungen durch die chilenischen Faschisten mit eine Collage von Nationalhymnen. Als Basismaterial wurden Hymnen derjenigen Länder ausgewählt, die den Putsch vom 11. September 1973 der Militärs unter Führung Pinochets direkt gefördert haben, oder doch zumindest indirekt davon profitierten.

UMS 'n JIP (Ulrike Mayer-Spohn und Javier Hagen) sind ein Schweizer Ensemble für Neue Musik. Sie arbeiten als multi- und interdisziplinäres Neue-Musik-Labor innerhalb eines globalen Netzwerkes von Komponisten, Ensembles, Forschern, Programmierern und Festivals und wurden >20 Mal international für ihre Innovationskraft, Uniqueness, Kontinuität und Exzellenz ausgezeichnet. Sie gehören mit >200 in Auftrag gegebenen Werken, >800 Konzerten und mit Aktivitäten in >40 Ländern zu den erfahrensten und aktivsten Ensembles für Neue Musik der Gegenwart. 2017 feiern sie ihr 10jähriges Bestehen und gastieren unter anderem in Tokyo, Palma de Mallorca, am Festival d'Avignon sowie an den Opernhäusern von Barcelona (Gran Teatre del Liceu) und Buenos Aires (Teatro Colon).

Bestellung Doppel-CD, Fr.23.- bei max.e.keller@gmx.ch; am Konzert Fr. 15.-

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Freitag 31. März 2017, 19.30 Uhr, Landgasthof, Baselstr.38 Riehen
Samstag 1. April
2017, 20 Uhr, Alter Stadthaussaal, Marktgasse 53, Winterthur

CHAUSSON &

Egidius Streiff (Basel), Violine - Luiz Guilherme Pozzi (Sao Paolo, BR), Klavier
Segantini Quartett (Basel): Antonio Pellegrini, Marianne Aeschbacher, Fabio Marano, Tobias Moster

2017-04-01 EgidiusPozziSegantini-Ens_800

Daniela Achermann (1972)
 
 
Harry Crowl (1958, BR)
Max E. Keller (1947, CH)
Ernest Chausson (1855-99)

Sept étoiles filantes (2017, Uraufführung)
Der Kompositionsauftrag wurde realisiert im Rahmen der Nachwuchsförderung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung mit Unterstützung der Fondation Nestlé pour l'Art.
Concerto no.3 para violino, piano e quarteto de cordas
(2013) in zwei Sätzen
Wucherung – Gefüge – Stillstand für Violine, Klavier und Streichquartett (2016, Uraufführung)
Concert op.21 (1892) pour piano, violon et quatuor à cordes  
(décidé, sicilienne, grave, très animé)

Das Concert op.21 ist neben der Poème wohl eines der berühmtesten Werke von Erneste Chausson. Trotzdem hat es mit seiner exzentrischen Besetzung lange gedauert, bis es seinen Platz im Repertoire erobert hat. Dabei hat es mit seiner vielfältigen Konstellation (Piano, Violine, Streichquartett) eine einzigartige Klangfarbenpalette.

Der brasilianische Komponist Harry Crowl schrieb für ebendiese Besetzung 2013 sein 3. Konzert. In zwei Sätzen mit einer ganz eigenen rhythmischen Melodik komponiert, erinnert es entfernt an ein Concerto grosso.

Das Werk von Max E Keller mit dem leicht ironischen Titel Wucherung - Gefüge - Stillstand darf wohl als gewichtiges Werk seines Spätstils erachtet werden: Die Dreifachbenennung ist dabei ebenso typisch (man erinnere sich an die hochgelobte CD "accent, layers, figures") wie die ästhetische Spannweite zwischen reiner Improvisation und genau notierter Komposition. "Klangflächen im weitesten Sinne: vom klassischen ausgehaltenen, vielstimmigen Akkord aus Tönen oder aus Geräuschen, zu Flächen, die aus der Überlagerung und Reihung verschiedener, jeweils gleichartiger Partikel resultieren. Die Soloinstrumente Violine und Klavier stehen dem musikalischen Prozessen teils gegenüber, teils sind sie Teil dieses Prozesses, eine zusätzliche Dynamik von Solo und Kollektiv entspannt sich hier."

Daniela Achermann schreibt über Sept étoiles filantes: Sieben minimalistische Klangskizzen. Aufscheinende und entschwindende Momente etwa der Dynamik, Dramatik oder des offenen Raums, der exzessiv bewegten Klangfläche, der verglühenden Melodie oder der rohen und zarten Geste.

Diese Dynamik von Solo und Kollektiv scheint uns die ganz besondere Qualität dieses Projekts: Violine allein, Klavier allein, Violine / Klavier Duo, Klavierquintett, das sind die üblichen Verbindungspunkte des Concert op.21. Dazu kommen aber die monochromen Eigenschaften der reinen Streicherkopplungen, die ihren Höhepunkt in der kleinst-orchestralen Verbindung erhalten: Drei Geigen im Unisono.
Mit dem brasilianischen Pianisten Luiz Guilherme Pozzi konnten wir einen Solisten gewinnen, der sich u.a. mit einer meisterhaften Interpretation des zweiten Klavierkonzerts von Johannes Brahms als einer der kommenden Pianisten seines Landes positioniert hat. Der Basler Geiger Egidius Streiff hat mit Pozzi 2012 eine Duo-Tournee in Brasilien unternommen. Dies ist ihr erster gemeinsamer Auftritt in Europa. Das Segantini Quartett  ist das neue Quartett von Mitgliedern des legendären Pellegrini Quartett: Antonio Pellegrini, Fabio Marano und Tobias Moster spielen zusammen mit Marianne Aeschbacher. Ihr expressives Spiel französischer Musik sowie ihre Erfahrung in zeitgenössischer Musik sind ein Glücksfall für dieses Projekt.
 
www.segantiniquartett.com     www.egidiusstreiff.ch

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